Cordon bleu ist aus

Nach 18 Jahren habe ich Hamburg verlassen und bin nach Berlin gezogen. Und freue mich jetzt darauf, hier kulinarisch-gastrosophische Erfahrungen zu machen, von denen ich im Blog berichten kann. Den Anfang macht ein Besuch im Mutzenbacher, ein österreichisches Restaurant in Friedrichshain. Ein Abend mit vielen Hindernissen.

Es war einer der letzten warmen Sommerabende Ende August, als in der WG die Idee aufkam: Lasst uns doch ins Mutzenbacher gehen, es ist Cordon Dienstag! Um halb neun saßen wird im besagten Lokal. Schon bei der ersten Bestellung lief es, sagen wir mal, nicht so ganz rund. Alster, was ich gern haben wollte, gab es nicht, es war aus. Ich wich auf einen weißen Spritzer aus. „Was heißt denn Cordon Dienstag genau?“, wollten wir wissen. Ja, es würde heute Cordon bleu geben, aber die 20 vorbereiteten Cordon bleus seien leider schon aus, erklärte uns der Wirt. Leichte Irritationen meinerseits. Da wirbt das Haus mit einer Cordon-bleu-Aktion und die 20! vorbereiteten Schnitzel sind schon aus. Sapperlot! Gefräßiges Berlin!

Leere Stamperl

Es gab viele Schnäpse vom Wirt…

Inzwischen waren die restlichen Freunde eingetroffen und gaben ihre Bestellung auf. „Eine Cola bitte“. „Wir haben nur Red Bull Cola, weil wir nur österreichische Produkte haben“, klärte uns der Wirt auf. Wie er sich denn das alkoholfreie Weihenstephaner Weizen bei uns auf dem Tisch, das wäre doch eher Bayern als Österreich? – Ja, bei der letzten Lieferung sei was schief gelaufen.

Nun. Ich finde so etwas nicht schlimm, aber wenn man die Klappe soweit aufreißt – Cordon Dienstag, österreichische Produkte – und es war erst kurz vor neun.

Das Essen war bestellt und nun hieß es warten. Und es verging viel Zeit. Nach einer Stunde ungefähr fragten wir uns, ob es wohl noch lange dauert mit dem Essen. Die leichte Unruhe am Tisch bemerkte der Kellner und stellte uns erstmal einen Schnaps hin. Gute Idee. Ich orderte dann noch eine zweiten weißen Spritzer. Der kam dann auch, nach ungefähr 20 Minuten mit einer Entschuldigung. Und das Glas war randvoll eingeschenkt und ich musste es auch nicht bezahlen. Essen aber hatten wir immer noch nicht, stattdessen zwei oder drei weitere Runden Schnaps. So nach und nach erfuhren wir auch den Grund: Der Koch sei allein heute in Küche und es würde alles etwas länger dauern. Das hatten wir dann auch schon bemerkt.

Aber dann war es soweit: Hurra, das Essen kam. Das Backhendl war in einer luftigen Panade gebacken, die Spinatknödel waren gut, an meinem Rindstartar mit Kren, saurem Rahm, Kapern und Ei war nichts auszusetzen. Zum Nachtisch gab es Marillenknödel. Die ganze Zeit starrte mich das Angebot von der Tafel an, auf die ich von meinem Platz guckte. Marillenknödel las ich die ganze Zeit, Marillenknödel! Ich zähle ja zu den Menschen, die sich spätestens beim ersten Bissen des Hauptgangs intensiv mit der Frage beschäftigen: Und dann? Was esse ich danach? Ich liebe Marillen und Ende August muss man sie essen, es ist die beste Zeit. Schon aus Prinzip, weil alles so zäh an dem Abend lief, musste ich die Knödel bestellen. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Knödel kamen nach denen vom Wirt angekündigten 15 Minuten, sie waren frisch ausgebacken, der Teig locker und luftig mit einer guten Obstfüllung innen und Brösel außen – und obendrauf gab es noch einen guten Schnaps. Wir waren mittlerweile beim Haselnussschnaps angekommen.

Irgendwann verließ ich mit einem guten Glimmer und satt das Lokal. Ich sags mal so: Ich gebe dem Mutzenbacher noch eine zweite Chance. In der Hoffnung, dass ich zwei Schnäpse weniger bekomme, dafür aber das Essen eine Stunde eher. Das wäre schon auch toll.

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