Brötchenalarm!

Wenn ich noch einmal von vorn anfangen müsste, ich könnte mich für das Back-und Konditorenhandwerk erwärmen. Nicht nur weil ich sehr gern backe, sondern auch weil es immer wenige gute Bäckereien und Konditoreien gibt. Das ist sehr bedauerlich!

In Hamburg gibt es Bäckereiketten wie Sand am Meer: Kamps, Backhus, Schanzenbäcker, Supermärkten haben ihre eigenen Backshops, dazu kommen noch die ganzen Billo-Abteilungen wie Back Factory und Co. Billigware gibt es dort in rauen Mengen, Qualität aber nicht.

Seit einiger Zeit tut sich glücklicherweise auch auf etwas bei den Bäckereien, es gibt Hoffnung. „Die Zeit“ wollte im vergangenen Jahr von ihren Lesern wissen, wo Brot und Brötchen noch selber gebacken werden und veröffentlichte dies Ergebnisse auf einer Karte. Johann Lafer sucht in wenigen Tagen im ZDF Deutschlands besten Bäcker, das ist bereits die zweite Staffel dieser Sendung.

Und ja, es gibt natürlich auch gute Bäckereien und Konditoreien in Hamburg –  nur eben nicht genug! Gerade in Altona, dem Stadtteil, in dem ich wohne, fehlen Bäckereien. Der Stadtteil ist zugepflastert mit eben jenen oben erwähnten Ketten – bis auf eine Ausnahme: An der Ecke Friedensallee/Daimlerstraße befindet sich die Bäckerei Thorsten Wiedenroth. Dort wird noch selbst gebacken. Brötchen gibt es dort in sehr guter Qualität. Allein wenn man das Geschäft betritt: Es riecht wie in einer Bäckerei. Der Geruch erinnerte mich an meine Kindheit, sonnabends mit Papa beim Bäcker Brötchen holen. Wisst ihr was ich meine? Dieser warme Geruch, der aus vielen tausend Einzelteilen besteht: süßlicher Sesam, warmer Hefeteig, Mohn und Zimt, eine Fruchtnote liegt in der Luft, Butter, dazu das Rascheln der Papiertüten – all das, was man bei Kamps im Bahnhof oder in der Back Factory nicht bekommt. Dort wird man bestenfalls mit einer Zimt-Aroma zugedröhnt, das maximal aus Marketing-Gründen in die Umwelt gepustet wird.

Frische Brötchen aus der Bäckerei Wiedenroth in Ottensen und Marmelade

Frische Brötchen aus der Bäckerei Wiedenroth in Ottensen – diesen Teller gibt es für 2, 92 Euro.

Wer in Altona auf der Suche nach gutem Backwerk ist, sollte unbedingt zu Wiedenroth gehen. Die gute Qualität der Brötchen sieht man schon beim aufschneiden: Sie haben innen eine schöne, gleichmäßige und feste Struktur, die aber genug nachgibt. Außen sind sie schön kross gebacken und knusprig. Perfekt ist das Frühstück, wenn es dazu selbstgemachtes Quittengelee gibt oder eine Himbeermarmelade aufs Brötchen kommt, die mit etwas Kardamom verfeinert wurde.

Auch wenn die Bäckerei nicht direkt vor meiner Haustür liegt, lohnt sich der Umweg. Und günstig ist es dort auch: Für sechs Brötchen habe ich heute 2,92 Euro bezahlt, als im Schnitt etwas weniger als 50 Cent pro Brötchen.

Ansonsten ist, natürlich, noch dringend die Kleine Konditorei in Eimsbüttel zu empfehlen. Und wer guten Kuchen haben will, sollte zu Herrn Max in die Schanze gehen. Gutes Brot zu bekommen ist weniger schwierig. Diverse Bio-Bäcker verkaufen es, heißen sie nun Effenberg oder Reinke oder Bahde. Brötchen und Kuchen vom Bio-Bäcker ist schwierig. Die schmecken auch im Jahre 2015 oftmals freudlos. Leider.

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