Erdbeeren und Spargel im März?

Erdbeeren! Groß und leuchtend rot lagen sie da, neulich im Supermarkt. Wenige Tage später las ich einen Artikel, der verkündete, dass es endlich den ersten Spargel gebe, gestochen in Norddeutschland.

Verkehrte Welt. Wir haben Anfang März, die Natur erwacht langsam aus ihrem Winterschlaf und im Supermarkt gibt es bereits jetzt frische Erdbeeren  zu kaufen, und Spargel scheint es vereinzelt auch zu geben.

Erdbeeren in Folie verpackt

So sehen Erdbeeren aus, die man bereits Anfang März kaufen kann. Ich möchte das nicht.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir die unterschiedlichsten heimischen und exotischsten Obst- und Gemüsesorten das ganze Jahr über kaufen können. Zuckerschoten im November? Werden aus Kenia eingeflogen. Mangos und Papayas kommen aus Brasilien, Äpfel und Birnen gibt es sowieso immer. Brombeeren und Johannisbeeren, in kleinen Plastikschälchen verpackt, liefern ganzjährig die Niederlande. Es hat ja auch Vorteile, dass man – zumindest in einer Großstadt wie Hamburg – in Prinzip zu jeder Zeit alles das kaufen kann, was man gerne haben möchte, ich profitiere bisweilen auch davon. Aber doch keine Erdbeeren oder Brombeeren im März. Brombeeren sind Sommer, sind August!

Genauso falsch ist es für mich, Erdbeeren oder Spargel im ausgehenden Winter zu kaufen. Zumal die Früchte, jetzt angeboten werden, nicht gut aussehen. Sie sind riesengroß, doppelt in Plastik verpackt – man sieht ihnen den Nicht-Geschmack schon von weitem an. Und dann Spargel im März! Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, in der sehr viel Spargel angebaut wird. Den ersten Spargel gibt es Ende April, Anfang Mai, und dann wird er bis Mitte Juni gegessen. Soviel und so oft, bis man ihn sehen kann für ein Jahr. Wenn ich Geburtstag habe, Mitte Mai, dann gibt es Spargel. Aber nicht jetzt.

Der Spargel, der jetzt gestochen wurde, ist unter Folie gezogen, zudem ist im Acker eine Art Heizung eingelassen, die dafür sorgt, dass der Spargel jetzt schon sprießt. Ich möchte so einen Spargel nicht essen. Ebensowenig wie die im Gewächshaus gezogenen Erdbeer-Bomben, die optisch nichts mit den Früchten gemein haben, die ich im Garten meiner Eltern gepflückt habe, oder, wie im vergangenen Sommer, auf einer Erdbeer-Plantage vor den Toren Hamburgs.

Bei Obst und Gemüse gilt für mich der Grundsatz: Regional und Saisonal kaufen. Das hat mehrere Gründe: In aller Regel schmeckt es besser, zudem schont es die Umwelt. Und dann ist es das Gefühl. Erdbeeren und Spargel, das sind – genauso wie der ein paar Wochen eher erhältliche Rhabarber – Frühlingsboten. Das ist der Beginn der schönen Jahreszeit, alles wird wieder grün und bunt und blüht und warm und es wird einfach mal mit einem Schlag alles besser. Dieses Gefühl der Vorfreude auf den Sommer, dass die warmen Tage nun kommen, dies alles wird zunichte gemacht, wenn wir anfangen Erdbeeren im Winter zu kaufen.

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Grüner Spargel gebraten mit Erdbeeren, dazu Rucola: So ist das nämlich im Frühling.

Jetzt, im Winter, esse ich Kohl, oder Spinat – März ist ein guter Monat für Spinat – es ist alles noch etwas dürftig, was frisch angeboten wird. Aber es dauert nicht mehr lange und dann können wir für ein paar Monate wieder aus dem vollen schöpfen. Aber solange kann ich noch warten, ich brauche definitiv keine Erdbeeren im März.

Einen Saisonkalender für Obst und Gemüse gibt es hier.

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