Phu Quoc – die Insel der Fischsauce

Mit eisiger Trübnis hat sich der Januar eingenistet, fern sind die warmen und bunten Tage von Phu Quoc. Phu Quoc, das ist die größte Insel Vietnams, im Süden des Landes, im Golf von Thailand gelegen, fast schon in Sichtweite der Küste Kambodschas.

Während unserer Reise nach Vietnam haben wir fast ein Drittel unserer Zeit dort verbracht. Das lag unter anderem am Wetter, denn in Zentralvietnam, in Huê und Hôi An, wo wir auch ein paar Tage verbringen wollten, regnete es tagelang. Und so fiel die Entscheidung nicht schwer: 22 Grad und Regen oder noch ein paar Tage mehr 32 Grad und Sonne, inklusive kitschiger Sonnenuntergänge?

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Phu Quoc ist aber nicht nur für seine schönen Strände und Sonnenuntergänge bekannt, sondern auch für seine Fischsauce. Es heißt, dass die beste Fischsauce der Welt aus Phu Quoc kommt. Und es stimmt: Sie schmeckt hervorragend. Hergestellt wird sie aus Anchovis, die vor der Küste der Insel zwischen Juli und Dezember gefischt werden. Anschließend werden die Fische fermentiert und die Sauce reift in Rattanfässern, die aus heimischen Hölzern hergestellt werden. Die fertige Sauce ist bernsteinfarben und erinnert im Geschmack ein bisschen an einen gut gereiften Parmesan. Die Sauce wird zu vielen Gerichten gegessen, unerlässlich ist sie jedoch für Mango- oder Papayasalat. Dieser Salat war auch unser liebster Mittagssnack. Es entwickelte sich eine richtige Challenge: Wer macht den besten Salat? Sind alle Zutaten vorhanden? Stimmt die Schärfe? Und so sollte der perfekte Salat sein:

Entweder Mangos oder grüne Papaya, in feine dünne Streifen á la Julienne geschnitten. Garnelen oder etwas Pulpo muss dabei sein, im Idealfall: kleine, getrocknete Shrimps, Erdnüsse! ganz wichtig, etwas Chili für eine leichte, aber bestimmte Schärfe, und, natürlich Fischsauce. Am Strand von Long Beach, neben dem Viet Than Ressort (die mit den grünen Stühlen am Strand), da gab es den leckersten Mangosalat.

Eine weitere Spezialität der Insel ist: Bier. Es gib dort eine Mikrobrauerei, die ein lokales Bier herstellt. Das wurde uns in einem Restaurant auch angeboten – ein leckeres, süffiges, leichtes Bier. Auf dem Etikett ist ein Mann mit Rauschebart und Filzhut zu sehen. Die bayerische Optik soll wohl die Qualität des Bieres unterstreichen. Wir haben uns zu dem Bier meistens Sprite dazu bestellt und Alster getrunken. Als die Bedienung bei uns am Tisch stand und sah, wie wir Sprite und Bier in ein Glas schütteten, brach für sie eine Welt zusammen. Soviel wortloses Entsetzen habe ich selten in einem Blick gesehen.

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Bier, gebraut auf Phu Quoc.

Wie schon vor zwei Jahren in Thailand, so haben wir auch in Vietnam einen Kochkurs gemacht. Meine Erwartungen waren nicht so riesig hoch, es war ein netter Zeitvertreib bei dem man ein kleines bisschen was lernt, aber nicht in die großen Geheimnisse der vietnamesischen Küche eingeführt wird. So war es dann auch. Als der Liebste und ich mit der Schürze am Arbeitstisch standen und Fleisch und Gemüse schnippelten, erklärte uns unsere Kursleiterin, dass es in Vietnam total ungewöhnlich sei, dass Männer in der Küche stehen. Das sei Aufgabe der Frau. Es kamen auch gleich junge Frauen, die auch in dem Restaurant arbeiteten, wo wir den Kurs gemacht haben, zückten kichernd ihr Smartphone und fotografierten uns. Vermutlich kursiert das Foto nun auf diversen vietnamesischen Facebook-Profilen. Und wir dienen nun als Role Model für den Mann in der Küche. Ich gehe fest davon aus!

So haben wir, zwischen Palmen und frisch gegrilltem Fisch, mit Mangosaft (und einem guten Schuss Hanoi-Wodka) oder Bier, kartenspielend oder in der Hängematte ruhend, am Strand frisch gegrillten Fisch essend, die Tage rum den ersten Advent verbracht. In Anbetracht der polaren Eisluft und des Glatteises das hier momentan das Wetter bestimmt, sehne ich mich sehr nach den sonnigen und warmen Tagen auf Phu Quoc. Glücklich, wer dort in den nächsten Tagen hinreist!

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